FightKIDS

Mut tut gut! Und besiegt Angst.

Angst ist ein natürliches Gefühl und gehört zum Leben dazu. Kindliche Ängste sind in den meisten Fällen Anzeichen für eine gesunde Entwicklung. Jeder Entwicklungsschritt bedeutet ein Stück mehr Reife und Selbständigkeit. Kinder erobern die Welt und erkunden nahezu täglich neue Dinge. Gleichzeitig macht das Kennenlernen neuer Situationen und Persepektiven oft Angst. Wenn dann das bisher mutige Kind plötzlich Angst vor Gewittern, Dunkelheit oder Monstern hat, sind Eltern oft ratlos. Aber es gibt Bewältigungsstrategien mit denen Eltern ihren Kindern helfen können.

Woher kommt die Angst?

Bevor Eltern in Sachen Angstbewältigung aktiv werden, ist es ratsam, den Usachen für die kindliche Angst auf den Grund gehen. Dazu solltest du dir diese Fragen stellen:

  • Befindet sich mein Kind in einer Entwicklungsphase, mit der die Angst im Zusammenhang steht? (z.B. „Fremdeln“)
  • Sind es wirklich die Ängste meines Kindes oder übertrage ich meine eigenen Ängste auf mein Kind?
  • Löst mein Erziehungsstil die Angst meines Kindes aus? Muss ich an meinem Verhalten arbeiten?
  • Fühlt sich mein Kind überfordert? (z.B. Versagensangst)
  • Gibt es eine Veränderung im Leben meines Kindes? (z.B. Kindergarteneintritt, Trennung, Umzug, Geschwisterkind …)
  • Sind die Medien, die mein Kind konsumiert, altersgerecht?  (z. B. Dauer und Art von Fernsehsendungen)

„Angst klopfte an die Tür, Vertrauen öffnete und niemand stand draußen.“

Ist es wirklich so einfach, wie in diesem chinesischen Sprichwort? Können wir darauf vertrauen, dass in jeder kindlichen Angst eine Entwicklungschance steckt? Dieses Vertrauen kann auf jeden Fall helfen, aber es gibt Grundhaltungen, mit denen Eltern ihren Kinder das Leben erleichtern können:

  • Bringe deinem Kind Verständnis für seine Ängse und Sorgen entgegen.
  • Versetze dich in die Lage und Gefühlswelt deines Kindes.
  • Schenke deinem Kind immer ein offenes Ohr.
  • Sei geduldig, denn Kinderängste durchlaufen einen Prozess. Die Bewältigung muss reifen dürfen.
  • Gib deinem Kind das Gefühl, dass es sich deiner Liebe und Wertschätzung immer sicher sein kann.
  • Nimm die Ängste deines Kindes immer ernst.
  • Vermittle deinem Kind Zuversicht und das Gefühl, dass es jede Situation meistern kann.

Um Kinderängste zu bewältigen, können Eltern ihre Hilfe anbieten. Allerdings muss das Kind den Weg aus der Angst heraus letztendlich selbst gehen dürfen. Gehe mit deinem Kind gemeinsam den Weg und unterstütze es dabei, sich seinen Ängsten zu stellen und Mut zu entwickeln …

Ängste klar benennen

Der erste Schritt, Ängste zu besiegen, ist ein ausführliches Gespräch – über Angst im Allgemeinen und über die individuellen Ängste des Kindes. Fordere dein Kind dazu auf, seine Angst klar zu benennen und genau zu beschreiben. “Wovor genau hast du Angst?” Diese Frage kann bei kleineren Kindern auch mit Hilfe eines gemalten Bildes beantwortet werden.

Tatsächlich reduziert bereits der ausgesprochene Satz „Das macht mir Angst“ die Angst ein wenig. Denn wenn wir uns unserer Angst bewusst werden, gewinnen wir ein wenig Distanz zu unseren Gefühlen. Wir können unser Problem mit einer Art Sicherheitsabstand betrachten und die Frage stellen: “Wie will ich mit meinen Ängsten umgehen?”

Sich den Ängsten stellen

Kinder müssen lernen, dass Ängste grösser werden, wenn man ihnen aus dem Weg geht und abnehmen, wenn man sich ihnen stellt.

Sich den eigenen Ängsten zu stellen ist nicht angenehm und erfordert Mut, aber es lohnt sich! Und je mehr Kindern die Vorteile bewusst werden, die ein Leben ohne Angst mit sich bringt, desto eher sind sie bereit, einen mutigen Schritt zu gehen und die Angst zu  bekämpfen. Sprich mit deinem Kind ausführlich darüber, was sich in seinem Leben verbessern würde, wenn die Angst nicht mehr da wäre.

Ein Beispiel: Wenn sich Max nächste Woche beim FightKIDS Unterricht von Mamas Schoss runter traut, kann er bei dem lustigen Abschlussspiel mitmachen, das allen anderen Kinder immer so viel Spaß macht. Dann würde er in die Gruppe integriert werden und hätte auch Spaß.

Kleine Schritte und positive Erfahrungen

Ängste nehmen ab, wenn man sich ihnen stellt. Allerdings nur dann, wenn man dabei positive Erfahrungen macht!

Deshalb ist es besonders wichtig, dass du dein Kind nicht überforderst. Startet mit kleinen Schritten. Wenn die Angst zu gross wird, solltest du eine Pause einlegen oder einen Schritt zurück gehen. Dabei kannst du sagen: “Bis hierhin schaffst du es schon. Das ist super und das reicht für heute. Den nächsten Schritt sparen wir uns noch auf.“ Und dann überlegt ihr gemeinsam, was der nächste Zwischenschritt sein könnte.

Wichtig ist, dass das Kind immer wieder Lob und Anerkennung für seinen Mut bekommt. Vor allem bei Prüfungsangst und Schüchternheit sind Kinder sehr auf ein gutes Ergebnis fokussiert. In einem ersten Schritt sollte es aber nicht um die Leistung und das Ergebnis gehen, sondern vor allem darum, sich der Angst zu stellen. Lege den Fokus darauf, indem du dein Kind dafür lobst, dass es seinen ganzen Mut zusammengenommen hat, und nicht dafür, dass es etwas gut gemacht hat. Zum Beispiel indem du sagst: „Ich finde es cool, wie du deine Angst überwunden hast. Dafür hast sicher sehr viel Mut gebraucht. Wie hast du das geschafft?“

Wichtig ist es, die gleiche Situation immer wieder zu üben. So kann sich das Kind langsam daran gewöhnen und stellt fest, dass es immer weniger Angst hat. Deine Rückmeldungen sollten sich dabei vor allem auf den Mut des Kindes beziehen und auf die Punkte, die schon gut laufen. Verbesserungsvorschlägen könnten als Kritik verstanden werden und für eine erneute Unsicherheit sorgen.

Mutige Vorbilder machen stark

Es liegt in der Natur der Lebewesen, sich Ängste von anderen abzuschauen. Wenn ein kleines Gnu beobachtet, dass alle anderen Gnus in Panik geraten und wegrennen, rennt es auch. Und wenn es sieht, dass die anderen vor einem Löwen wegrennen, wird es ganz automatisch eine Angst vor Löwen entwickeln – ohne jemals selbst eine negative Erfahrung mit einem Löwen gemacht zu haben. Ein naturgegebener, sinnvoller Mechanismus, der auch bei Kindern funktioniert.

Leider schauen sich Kinder – vor allem bei ihren Eltern – auch sinnlose Ängste ab, wie zum Beispiel vor Spinnen, Hunden …

Solltest du als Elternteil die gleiche Angst haben wie dein Kind, bist du in der perfekten Position, um ihm bei der Bewältigung zu helfen. Zeige deinem Kind, wie mutig du deine Angst überwinden kannst, dich dem Hund näherst und ihn sogar streichelst. Du wirst zum Vorbild und dein Kind wird es jetzt viel leichter haben, seine Angst zu überwinden und deine Heldentat nachzueifern. Dabei lernen Kinder mehr und schneller von Vorbildern, die zuerst ihre eigene Angst besiegen müssen als von Vorbildern, die keine haben. Ihr sitzt jetzt in einem Boot und nehmt gemeinsam die Herausforderung an.

Studien konnten zeigen, dass Kinder sehr davon profitieren, sich andere Kinder zum Vorbild zu nehmen.

Mutmachsätze gehen immer

Kindern helfen neben festen Rituaten auch Affirmationen, die positive und inspirierende Reize setzen.

Diese vier Mutmachsätze geben wir unseren FightKIDS an die Hand, denn wir alle wissen: MUT TUT GUT!

  1. Ich bin größer als die Dinge, die mir Angst machen.
  2. Ich habe viele tolle Fähigkeiten und FightKIDS-Superkräfte.
  3. Ich kann alles schaffen, wenn ich an mich glaube.
  4. Wenn ich etwas Neues ausprobiere, kann ich stolz auf mich sein.

Fazit: Ein gewisses Maß an Angst ist natürlich und gut. Eltern können ihren Kindern dabei helfen, die “kleinen” Ängste des Alltags zu besiegen und Mut zu entwickeln. Überschreiten Kinderängste allerdings ein Normalmaß, ist es angebracht, sich professionelle Hilfe zu holen.

BUCHTIPP

Ich und meine Angst

von Francesca Sanna

Jeder Neuanfang ist schwer und wird von Ängsten und Unsicherheit begleitet: »Ich habe schon immer ein Geheimnis gehabt«, sagt das Mädchen im Buch, »eine winzige Freundin namens Angst. Die Angst hasst meine neue Schule. Ich verstehe niemanden und niemand versteht mich. « Angst macht sprachlos und einsam. Doch zum Glück ist das Mädchen mit seiner Angst gar nicht allein. Auch die anderen Kinder haben Ängste und je mehr sie darüber sprechen, desto weniger Macht hat die Angst über sie.

Übersetzt von Thomas Bodmer
Durchgehend farbig illustriert
€ D 16,00
Hardcover mit Halbleinen
23 x 26 cm 40 Seiten
ab 4 Jahren
ISBN: 978-3-314-10471-8